Josef Frank und Oskar Wlach
Für die Villa Beer entwickelten die Architekten Josef Frank und Oskar Wlach 1929 bis 1930 ein Gesamtkonzept samt Einrichtung und Gartengestaltung.
Bereits in den 1920er Jahren kreuzten sich ihre Wege als Studienkollegen, im Wiener Werkbund, dem Wiener Kreis, der Siedlerbewegung und später auch in der von ihnen gemeinsam geführten Einrichtungsfirma „Haus & Garten“.
Foto: Lennart Nilsson, Courtesy Svenskt Tenn
Prof. Dr. Josef Frank
15. Juli 1885 bis 8. Jänner 1967
Geboren 1885 in Baden bei Wien studierte Josef Frank von 1904–1908 Architektur an der Technischen Hochschule in Wien bei Carl König und Max Fabiani. Bereits Mitte 1910, noch vor seiner Promotion zum Dr.techn., erhielt er Aufträge für die Gestaltung von Ausstellungsräumen. Unter anderem entwarf er das Ausstellungsmobiliar für das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln und Wohnungseinrichtungen.
Bereits bei frühen Innengestaltungen wird deutlich, dass Frank seine ganz eigene Auffassung der Moderne hatte. Er versuchte, in seinen Entwürfen die Verbindung zwischen Architektur und Innenausstattung aufzubrechen, in dem er die Möbelstücke scheinbar zufällig in den Räumen platzierte, auf Vertäfelungen verzichtete und auf minimalistische Wandbehandlung setzte, die den Räumen erlaubte als mehr oder weniger neutrale Behälter zu dienen.
1912 bis 1932
Frank wurde Mitglied im Deutschen Werkbund und 1912 Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbundes, da er sich intensiv mit der Arbeiterwohnfrage auseinandersetzte und ein glühender Verfechter der Siedlungs- bzw. Gartenstadtbewegung war. 1913 trat er der Ateliergemeinschaft von Oskar Wlach und Oskar Strnad bei, die bis 1918 bestand. In diesen Jahren entstanden zum Beispiel die Häuser Scholl und Strauss in Wien und das Haus Bunzl in Ortmann. 1919 begann Frank seine Unterrichtstätigkeit an der Wiener Kunstgewerbeschule, die er 1926 beendete. Im Jahr 1925 gründete Frank gemeinsam mit Wlach und ursprünglich auch Walter Sobotka das Einrichtungshaus „Haus und Garten“. Es folgten Planungen von Häusern und Wohnungseinrichtungen, Entwürfe und Produktion von Möbeln, Lampen, Stoffen, etc. 1927 verwirklichte Frank sein erstes Projekt in Schweden, der Heimat seiner Frau Anna Regina, das Haus Claeson in Falsterbo. Im selben Jahr wurde Frank als einziger Österreicher zur Teilnahme an der Stuttgarter Werkbundsiedlung (Weißenhofsiedlung) eingeladen. 1929 erhielt er von Julius und Margarethe Beer den Auftrag zur Planung der Villa Beer. Frank entwarf mit Wlach ein Gesamtkonzept inklusive Einrichtung und Gartengestaltung. Seine Gedanken zum Entwurf dieses Hauses veröffentlichte er 1931 in der Zeitschrift „Der Baumeister“ unter dem Titel „Das Haus als Weg und Platz.“ 1930–1932 entstand, parallel zum Haus Beer, unter der künstlerischen Leitung Franks die Werkbundsiedlung Wien.
Flucht nach Schweden
Die politische Lage und die zunehmend antisemitische Stimmung in Österreich, bewogen Frank 1933/1934 mit seiner Frau nach Schweden zu emigrieren. In Stockholm begann er seine Zusammenarbeit mit der renommierten Möbel- und Einrichtungsfirma Svenskt Tenn. In Ermangelung von Bauaufträgen konzentrierte sich Frank ab 1937 fast ausschließlich auf das Entwerfen von Möbeln und Textilien. Mit seinen Arbeiten für Svenskt Tenn erlangte er internationale Bekanntheit, insbesondere mit seinen Stoffentwürfen. Sein Design hat die schwedische Formgebung nachhaltig beeinflusst und sein Einfluss ist immer noch im international bekannten skandinavischen Designstil erkennbar. Svenskt Tenn produziert bis heute als wichtigster Bestandteil seiner Kollektionen Franks Entwürfe.
Im Jahr 1960 erhielt Frank den Preis der Stadt Wien für Design, 1965 wurde ihm der Große Österreichische Staatspreis für Architektur verliehen, den er krankheitsbedingt nicht selber übernehmen konnte. 1967 verstarb Josef Frank in Stockholm. Sein Grab befindet sich auf dem Norra begravningsplatsen in Solna.
2005, zum 120. Geburtstag Franks, wurde an dem Haus in der Wiedner Hauptstraße 64, 1040 Wien, in dem er in den Jahren 1913–1934 in einer Dachgeschosswohnung lebte, eine Gedenktafel von der ÖGFA – Österreichische Gesellschaft für Architektur – angebracht.
Weiterführende Links und eine Liste der Arbeiten von Josef Frank:
Architektenlexikon Österreich | Josef Frank Nextroom | Josef Frank
Foto: Villa Beer Archives, Prominentenalmanach 1930 © Foto Fayer
Dr. Oskar Wlach
18. April 1881 bis 16. August 1963
Oskar Wlach, der zu den maßgeblichen Protagonisten der „zweiten Wiener Moderne“ der Zwischenkriegszeit gehört, steht ein wenig zu Unrecht im Schatten seines Partners Josef Frank. Nicht zuletzt hatten er und Oskar Strnad schon einige Jahre zusammengearbeitet und gemeinsam Projekte realisiert, bevor der etwas jüngere Josef Frank sich 1913 ihrer Ateliergemeinschaft anschloss, schreibt das österreichische Architektenlexikon.
1881 in Wien geboren, studierte er, wie auch Josef Frank, an der Technischen Hochschule Wien, bei Karl König. 1906 schloss er sein Studium mit der Dissertation „Die Farbige Incrustation in der Florentiner Protorenaissance“ und war damit einer der ersten Absolventen der Technischen Hochschule, der einen Doktorgrad erhielt.
Haus & Garten
Danach begann er in Zusammenarbeit mit seinem Studienkollegen Oskar Strnad seine Tätigkeit als freiberuflicher Architekt. Gemeinsam beteiligten sie sich an einigen prominenten Wettbewerben und realisierten erste Häuser. Einige Jahre später (1913–1918) schloss sich ihnen Josef Frank an. Verbunden durch gemeinsame Ausbildung, künstlerische Positionierung sowie auch ihre jüdische Herkunft. Während des Ersten Weltkriegs realisierte Wlach einige Projekte in Istanbul (damals noch Konstantinopel, wo er, auch noch nach dem Krieg, in der technischen Gruppe des Militärbevollmächtigten arbeitete. 1919 kehrte er nach Wien zurück und heiratete die Malerin Klari Haynal (geb. Krausz). Mitte der 20er Jahre gründeten Wlach und Frank die Einrichtungsfirma „Haus & Garten“, wobei ein jeder zur Hälfte beteiligt war. Wlach hatte die Funktion des Geschäftsführers inne. Die äußerst erfolgreiche Firma fertigte unzählige Wohnungseinrichtungen und war auch für Entwürfe von Stoffen, Möbeln, Gartenmöbeln und Gartengestaltung bekannt und beliebt. Nach 1934, als Frank bereits nach Schweden emigriert war, führte Wlach „Haus & Garten“ alleine weiter und setzte auch seine Arbeit als Architekt fort.
Flucht in die USA
1938 wurde die Firma arisiert. Wlach und seiner Frau gelang die Flucht in die Schweiz. Nach einer Zwischenstation in London emigrierten sie 1939 in die USA. Dort stattete er gelegentlich Wohnungen aus, allerdings war die Auftragslage sehr schlecht. Anfang der 50er Jahre stellte er erfolglos einen Restitutionsantrag für die Firma „Haus & Garten“. Auch alle Versuche nach Österreich zurückzukehren, um hier an seine früheren Erfolge anzuknüpfen, blieben erfolglos. In den USA gelang es ihm nicht als Architekt Fuß zu fassen.
Wlach starb 1963 im 83. Lebensjahr in einem Altersheim in New York.
Weiterführende Links und eine Liste der Arbeiten von Oskar Wlach: Architektenlexikon Österreich | Oskar Wlach Nextroom | Oskar Wlach
Gemeinsam realisierte Bauten
1913–1914 Haus Scholl, Wien 19, Wildbrandtgasse 3
1914 Haus Strauss, Wien 19, Wildbrandtgasse 11
1923–1925 „Winarsky-Hof“, Wien 20, Stromstraße 36–38
1923 Haus David Löbel, Einrichtung und Gartengestaltung, Wien 13, Geylinggasse 13
1923–1924 „Wiedenhofer-Hof“, Wien 17, Zeilergasse 7–11
1929–1931 Villa Beer, Wien 13, Wenzgasse 12
1931–1932 „Rosa Jochmann Hof“ Wien 11, Simmeringer Hauptstraße 142–150
1935 Haus Bunzl, Wien 19, Chimanistraße 18
Sowie zahlreiche Inneneinrichtungen in Wohnungen und Häusern.
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