Die Bewohner:innen
Foto: Privatsammlung Nachfahren Familie Beer | Private collection of descendants of the Beer family
Familie Beer
Im Jahr 1929 beauftragten Julius Beer, Mitinhaber der Berson Kautschukfabrik, und seine Gattin Margarethe Josef Frank und Oskar Wlach ein Haus zu entwerfen, das auch den Empfang von Gästen, vor allem im Rahmen musikalischer Soireen, ermöglichen sollte. So gestalteten Frank und Wlach hier ein Haus nach ihren idealen Vorstellungen, in dessen „Herzen“ ein Bösendorfer Flügel seinen Platz fand.
Leider zwangen finanzielle Schwierigkeiten die Beers schon 1932 dazu das Haus und das Grundstück an die finanzierende Versicherungsgesellschaft abzutreten. Bis 1937 hatten sie aber noch das Recht das Haus selbst zu vermieten, um Rückzahlungen zu bedienen. Die Mieter dieser Jahre waren keine Unbekannten und wussten die musikalischen Möglichkeiten des Hauses sicher zu schätzen. Richard Tauber, Jan Kiepura und Martha Eggert, sowie ihr Sekretär Marcel Prawy bewohnten das Haus bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938.
Der Großteil der Familie konnte in die USA flüchten, der durch ihre Polio-Erkrankung leicht gehbehindertenTochter Elisabeth Beer wurde jedoch das Visum aufgrund der strikten US-Einwanderungspolitik verweigert. Sie wurde im Mai 1942 von Wien nach Minsk deportiert und in Maly Trostinez ermordet.
Foto: Private collection Family Pöschmann descendants, photographer unknown
Familie Pöschmann
1941 kaufte die Familie Pöschmann aus Südböhmen die Villa Beer gemeinsam mit der originalen Einrichtung, die wieder in das Haus gebracht wurde. Nach dem Krieg vermieteten sie die Liegenschaft bis 1954 an die britische Armee. Dadurch wurde auch in den Nachkriegsjahren der Erhalt des Hauses und der Einrichtung bestmöglich gesichert. Im Laufe der Jahre wurde das Haus in verschiedene Einheiten geteilt und so fanden bis zu fünf Wohnungen darin Platz. Dennoch wurde dadurch die Substanz und Struktur kaum in Mitleidenschaft gezogen.
Bis 2008 blieb die Villa Beer im Besitz der Familie Pöschmann und deren Nachkommen.
Foto: Studio Huger
Dr. Strohmayr Privatstiftung
2008 erwarb die Dr. Strohmayer Privatstiftung zuerst Teile und schließlich das ganze Haus, um es als Wohnhaus zu nutzen, wobei es dazu nie kommen sollte. Leider wurde in diesen Jahren auch ein großer Teil der Möbel verschenkt. Der größte Teil der Möbel verblieb bei den Nachkommen der Pöschmanns.
Bis 2021 stand die Villa Beer mehr oder weniger leer. Dr. Strohmayer öffnete in den Jahren des Leerstandes das Haus immer wieder für Führungen und Tage der offenen Türe in Zusammenarbeit mit dem Az W und dem MAK. 2017 wurde die Fassade und das Dach in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt saniert, um weiteren Schaden abzuwenden.
Zahlreiche Versuche das Haus an die Stadt Wien oder das Land Österreich zu verkaufen, um es als Hausmuseum zugänglich zu machen, scheiterten.
Foto: Julius Hirzberger
Villa Beer Foundation
2021 eröffnete sich dadurch die Möglichkeit für die Villa Beer Foundation das Haus zu erwerben und nun ihre eigene Vision eines Hausmuseums zu verwirklichen. Im Frühjahr 2024 begannen nach dreijährigen Vorarbeiten, die unter anderem detaillierte restauratorische Untersuchungen aller Materialen und Oberflächen beinhalteten, die Sanierungsarbeiten, die bis Dezember 2025 andauerten. Wir freuen uns ab März 2026 erste Gäste im Haus begrüßen zu dürfen!
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